Eigentlich ist das ja klar: Wer rechts ist, der ist konservativ, hat etwas gegen alles Fremde und beruft sich auf Sicherheit, Heimatliebe und natürlich auf den Schutz von (Hetero-) Ehe und Familie. So ist das und nicht anders, denkt sich mein eingeschränktes Hirn und stutzt dann, wenn ich auf Schwule in der AfD stoße. 160 Mitglieder hat die Bundesinteressensgemeinschaft Homosexueller in der AfD. Homos in rechten Parteien, wie kann das sein? Setze ich bei Schwulen nicht eine offene Grundhaltung voraus, weil sie selbst einer Minderheit angehören? Aber was ist dann mit solchen, die gegen Feminist*innen wettern, sowieso Angst vor der Islamisierung des Abendlandes haben, weil die ganzen Flüchtlinge so homophob sind und auf keinen Fall zu DENEN gehören wollen, die bunt bemalt auf dem CSD in Köln tanzen?

Um das zu verstehen müssen wir uns die Geschichte der Schwulenbewegung anschauen. Von Feminismus wird zum ersten Mal seit Mitte des 1970 gesprochen, wo er seinen Ursprung gemeinsam mit der Lesben- und Schwulenbewegung hat. Der erste deutsche Wissenschaftler, der sich danach mit dem Phänomen des schwul seins auseinandersetzte war Magnus Hirschfeld. Anfang des 20. Jahrhunderts begann sein Institut für Sexualwissenschaften in Berlin Schwule zu “untersuchen”. Dabei lag der Fokus meist auf Berliner Subkulturen und der Beschreibung von Sexarbeiter*innen etc. . Das aber störte viele Homosexuelle (z.B. auch Mitglieder des humanistischen Subkomitees in München). Sie wollten im Kampf um die Gleichberechtigung und Akzeptanz den Schwerpunkt nicht auf den Rand der Gesellschaft legen, sondern zeigen, wie angepasst sie waren und wie “normal”. Sie hielten ihre Homosexualität für die “richtige” und wollten darstellen, dass Lehrer, Anwälte und Ärzte schwul sein können und alles andere als anrüchig sind. Hirschfelds Herangehensweise, die ja im Endeffekt das selbe Ziel erreichen sollte, warfen sie vor den Aktivismus zu verlangsamen. Schon hier stellte sich die Frage in der Schwulenbewegung: Wer gehört zu uns? Wen nehmen wir mit? Wie und wie radikal gehen wir vor?

Der Wunsch nach Angepasstheit verstärkte sich für einige verständlicherweise nach dem zweiten Weltkrieg. Der von den Nationalsozialisten noch weiter verschärfte § 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte und besonders schwule Prostitution sowie Sex mit Unter-21-Jährigen bestrafte, blieb erstmal in vollem Umfang in der neuen Bundesrepublik erhalten. Nach der Erfahrung von Diskriminierung, die Schwule und Lesben machen mussten und unter Befürchtung weiterer strafrechtlicher Verfolgung, wollte sich ein großer Teil der Bewegung noch weiter angleichen.

Der andere Teil aber atmete auf. In den 50er Jahren bildeten sich endlich wieder die ersten schwulen Organisationen und Vereine, und auch die ein oder andere Schwulenzeitschrift fand wieder ihren Weg in die Öffentlichkeit. Jede Menge Kneipen wurden wieder eröffnet und bis zum Ende des Jahrzehnts gab es wieder eine rege Schwulenszene. Diese Aktivist*innen wollten sich abgrenzen von denen, die vorauseilenden Gehorsam leisteten, um den Erwartungen anderer zu entsprechen. Sie waren stolz auf ihre Identität und verkörperten das, anstatt sich zu verstecken.

Aber es gab noch mehr Konflikte und Diskussionen, aus denen schließlich die Spaltung der Bewegung hervorging. Dazu kam beispielsweise 1973 der Tuntenstreit. Verkleidete, glitzernde Teilnehmer einer Parade beim Pfingstreffen der HAW (Homosexuelle Aktion West-Berlin) demonstrierten für Offenheit und Sichtbarkeit von Homosexualität. Danach brach eine erneute Strategiedebatte in der Bewegung aus. Eine erhebliche Menge deutscher Demonstranten missbilligten dieses konfrontative Verhalten. Sie hatten anschließend Angst um einen nüchternen, objektiven Kampf. Ergebnis des “Tuntenstreits” war die Spaltung der HAW in einen integrationistischen Flügel und der radikaleren Fraktion der Feministen.

Alles in allem sieht man als größten Unterschied zwischen den Feminist*innen und konservativen Aktivist*innen die Ansicht über die Offenheit und Offensive des Vorgehens, um Homosexuelle in die Gesellschaft zu integrieren.

Und heute ist ein weiteres kontroverses Thema die “queer theory”, die den Zusammenhang von biologischem Geschlecht, Gender (‚sozialem Geschlecht‘) und sexuellem Begehren kritisch untersucht. Die Queer-Theorie schließt alle geschlechtliche und sexuelle Identitäten mit ein. Für den feministischen queeren Flügel gehören alle LGBTQ+ zum Widerstand. Die Kritik rechter Schwuler an der queer theory beruht darauf, dass wahrscheinlich vor allem schwule weiße Männer oft das Gefühl haben (nach Öffnung der Homo-Ehe) nun angekommen zu sein, weil sie von anderen Formen der Diskriminierung nicht betroffen sind, im Gegensatz zu beispielsweise Transsexuellen.

Es gibt auch noch krassere Beispiele, wo die Schwulenbewegung klar antifeministische Tendenzen aufweist: Wenn in schwulen Kreisen patriarchalische Mitschuldsvorwürfe konsequent abgelehnt werden oder wenn der weibliche Körper als ekelhaft dargestellt wird, lassen sich Feminismus und die Schwulenbewegung nicht mehr vereinen. Rechte üben auch offene Kritik an Feminismus, da er angeblich nur ideologische Arbeit wäre. Dabei haben queer studies einen elementaren Beitrag zur Toleranz geleistet, zur Streichung von Homosexualität als eigene Krankheit im ICD-Katalog 1992 oder zur Förderung konkreter Hilfe, wie queere Themen in Bildungsplänen. Da konservative Schwule sich aber lieber folgendermaßen anbiedern: “Wir haben einen Schäferhund, leben seit 20 Jahren monogam…achdasimBettistdochnichtderRedewert…”, wollen sie auch nicht, dass darüber geredet wird, schon gar nicht in der Schule.

Und der Rassismus, der rechte Schwule mit der AfD verbindet lässt sich oft schon auf tinder Datingprofilen beobachten. Um möglichst schnell das zu finden, was man sucht, schließen manche Nutzer schon von vornherein bestimmte Gruppen aus, von denen sie keine Nachrichten bekommen wollen: “No Blacks, no Asians” ist ein Satz, den man oft in Profilen liest. So nennen sich POC’s häufig lieber queer, anstatt von schwul, weil sie sich folglich in der queeren Bewegung wohler fühlen.

Von patriarchalischen Strukturen, Frauenfeindlichkeit und Hetze, bis zur übertriebenen Durchschnittlichkeit: Wir sehen, wie schlimm es ist nach unten zu treten, um selbst nicht zur Zielscheibe zu werden. Stattdessen ist es wichtig für seine Rechte zu kämpfen und für die eigene Identität einzustehen! Sei stolz, sei offen, sei du selbst!

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