Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie sehr ich mich, als ich klein war, darauf gefreut habe in die Schule zu kommen. Wenn man in der Schule war, dann war man nämlich groß. Man konnte lesen, rechnen und schreiben und lauter solche tolle Sachen. Ich konnte es kaum erwarten endlich selbst eingeschult zu werden. Dementsprechend gespannt hing ich daher an den Lippen der Großen, wenn sie von der Schule berichteten. Oft erzählten sie etwas wie: “In Rechtschreibung bin ich die Beste aus der Klasse! Und abschreiben lasse ich auch niemanden!”.

Diese Einstellung lässt sich wohl in vielen Grundschulklassen beobachten. Die bekannten Etui-Mauern sind nur ein Beispiel dafür. Und das ist keineswegs gut. Im Gegenteil, bei der Vorstellung läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Wir Kinder wurden dazu erzogen andere beim Spicken zu verpetzen und helfen bedeutete schummeln. Das Motto: Gegeneinander statt Miteinander.

Auch mit meinen Geschwistern habe ich mich seit je her gemessen, egal um was es ging. Ich habe sie vielleicht sogar manchmal um ihre guten Noten beneidet, anstatt mich für sie zu freuen. Es war ein einziges Gerangel, nicht nur um Wissen und Kompetenz und jetzt frage ich mich: Wozu?

Höchstwahrscheinlich bin ich nämlich nicht die Einzige, der es so geht. Oder kennst du ein einziges Geschwisterpaar, bei dem die Kinder nicht das Gefühl hätten sich gegenseitig beweisen zu müssen? Ich nämlich auch nicht. Die Erwachsenen machen es ja auch so vor. Wer fragt schon: “Wieviel Spaß hat es dir gemacht dein Abitur zu schreiben?” Die Leute interessiert, welchen NC du hast, nicht wie sehr du dich dafür bemüht hast. Dabei ist dieses Leistungsstreben doch komplett unfair. Wer kennt nicht das Beispiel von Affen und Goldfisch, die beide danach bewertet werden, wie gut sie auf einen Baum klettern können?

Und zugleich gilt das einfache Gesetz: Der Stärkere gewinnt, indem die Schule uns dazu trainiert hinter den eigenen Noten her zu rennen. Der Grund: Leistungen gerecht benoten zu können. Leistungen benoten. An diesem Ziel ist so gut wie alles falsch. In Schule als Be- und Verurteilungsmaschine lässt sich kein Miteinander finden.

Auch bei den allermeisten Sportarten wird in erster Linie nicht mit der eigenen, sondern gegen die andere Mannschaft gespielt. Bei der WM, Talentshows, der Eurovision Songcontest, Germanys next Topmodel; einfach “Miteinander” wäre wohl zu langweilig.

Gegeneinander statt Miteinander lässt sich überall wiederfinden. Was uns von klein auf beigebracht wurde spiegelt sich in unserer gesamten Gesellschaft wider, denn sie basiert auf dem Gegeneinander. Es gibt immer rang- und machtmäßige Differenzen und Hierarchien.

Wir leben unser Konkurrenzdenken und probieren ständig uns gegenseitig zu übertrumpfen. Aber was wäre eigentlich so schlimm daran nicht attraktiver, kreativer, intelligenter, witziger, schlagfertiger, mutiger, fähiger, stärker, finanziell und beruflich erfolgreicher zu sein? Wieso ist es so ein schrecklicher Gedanke beim Klassentreffen nach 30 Jahren zu merken, wie schlecht sein Leben verglichen zu allen anderen doch aussieht? Das Leben ist ein verdammter Wettbewerb und ich habe genug davon!

Ich habe genug vom Leistungsdruck, den schon Grundschüler kennen und der Rivalität, die mir durch soziale Netzwerke täglich vermittelt wird. Die Urlaubsreisen der anderen sind meistens besser, die Designerjeans cooler und bestimmt ist auch ihr Telefonanbieter günstiger. Sie haben mehr oder können sich mehr leisten. Na schön für sie!

Doch sagte Joseph Joubert nicht einmal: “Wenn du dich mit anderen vergleichst könntest du bitter werden (…); denn es wird immer jemanden geben, größer und geringer als du.”?

Es gibt auch eine Alternative dazu dich stets mit anderen zu vergleichen. Ziehe deine eigenen Startbedingungen als Maßstab heran, um zu beurteilen, was du erreicht hast. Ich bin ich.  Ich kann dazu lernen und mich verbessern. Entscheidend ist, was ich aus mir mache mit den Fähigkeiten und Talenten, die ich habe. Ich bin einzigartig.

Vergleicht man sich dann doch mal, dann ist dabei wichtig, wie man es tut. “Die da drüben hat eine richtig perfekte Figur!”, ist ja an sich erstmal eine neutrale Aussage. Aber wenn ich in Gedanken dranhänge: “… und ich Moppelchen bin deswegen viel weniger wert und werde nie einen Typen kennen lernen.”, dann tut mir dieser Vergleich weh. Was mir weh tut ist aber nicht der Vergleich, sondern die Schlussfolgerung, die ich daraus ziehe. Wenn das alles sein sollte, woher ich meinen Selbstwert nehme, dann ist das Vergleichen das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. Es macht mich missgünstig und führt mich weg von mir selbst.

Liebe ich mich dagegen selbst und schätze mich, mein Aussehen, wie auch meine Fähigkeiten wert, dann dürfen andere auch bessere Noten haben oder ein besseres Auto fahren oder so. Das macht mich als Menschen dann nicht schlechter. Ich kann mich und mein Leben mit anderen Augen sehen und meinen eigenen Weg gehen, ohne danach zu fragen, wie andere leben.

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