Endlich ist die Schule aus! Nachmittagsunterricht, Doppelstunde Mathe, 2 Stunden Latein, Chemie und Physik habe ich hinter mir. Horror! Von diesem ach so anstrengenden Tag geschafft lasse ich mich aufs Sofa sinken (Ja, ich gehöre auch zu der Sorte Mensch, die Schule als so selbstverständlich empfindet, dass sie als nerviges Übel wahrgenommen wird).

Jetzt erstmal: Handy raus und YouTube an! Doch scrolle ich durch meine Time Line springen mir die Titel nur so entgegen: „Yolo! Ich gehe meiner Freundin fremd!“, „Realtalk: Ich bin schwanger!!!“, „How to: Schlussmachen- kein Clickbait!“, -üblicherweise endend mit den Worten: „It´s a prank! It´s a prank!“. Hahahahhaa, wie lustig. Na toll. Nach dem Prinzip der versteckten Kamera ist es natürlich ein geniaaales Gefühl zu sehen, wenn sich Leute auf spektakuläre Art und Weise weh tun; klar darüber kann man lachen.

Exquisite Unterhaltung, muss ich sagen. Nix da: Filmkritiken, Kurzfilmchen, Bastelideen, Satire, Musik und Philosophie, neee. Stattdessen: „WOW sieben Tipps für meine Mädels gegen Pickel“, Diät-Hacks und Zimmer-Aufräum-Motivationssongs. Geil.

„Zum Teufel mit dem Videoportal für Content von in Chicken-Wings badenden Halbstarken! Zeug, das die Welt nicht braucht! Scheiß sexistische homophobe Drecksscheiße!“, brülle ich und will mein Handy an die Wand werfen…. Obwohl nein warte: „Disstrack zum Beef mit Miguel Pablo!“- das könnte doch eigentlich ganz spannend sein.

Ok gut, Spaß bei Seite: Abgesehen von Stars, die Songtexte wie „Bitch, ich fahr nen Babawagen“ schreiben hat YouTube überwiegend kreative Seiten. Lange ist klar, meine Generation hat sich längst von alten Medien abgewandt. Fernseh-Einschaltquoten sinken und etablierte Sender haben zum ersten Mal keine sichere Zukunft mehr. YouTube bietet zum einen eine Plattform, auf der man über Kommentarspalten interagieren und mitdiskutieren kann. Man kann sich schnell informieren und teilen, was einem wichtig ist. Zum anderen gibt es zu wirklich jedem relevanten Thema Videos. Es heißt, feste Gewohnheiten werden bis zum Alter von 20 Jahren geprägt und ich habe eine Vorstellung davon, wie unser Medienkonsum mal aussehen wird.

Viel mehr als unreflektierte YouTube Titel stören mich im Grunde die, die sich über YouTube aufregen (*öhem, öhem*). Es ist ein enormes Glück für viele, solch eine Vielfalt von Meinungen, Persönlichkeiten, Sexualitäten und Lebenseinstellungen kennen zulernen, weil YouTube jedem eine Stimme gibt. Gerade, wenn man in einem konservativeren Umfeld aufwächst und über bestimmte Bereiche nicht offen gesprochen wird, kann man sich durch YouTube selbst ein Bild machen und so viel dazu lernen! Von Verhütungsmethoden bis hin zu Feminismus gibt es keine Tabus.

YouTube hat heutzutage tatsächlich viele Vorteile. Wir können selbst entscheiden, was wir wann sehen wollen und darüber diese Privilegien zu haben bin ich sehr froh. Mit ein paar Aporeds und Pranks werden wir da schon klar kommen.


 

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