Franka steht vorm Spiegel. “Sieh dich nur an”, denkt sie und schaut unglücklich an ihrem Körper hinunter. Da sind die Speckrollen am Bauch, ihre Oberschenkel sind viel zu dick, ihre Arme auch und wenn sie ihren Kopf “so” einzieht, dann hat sie sofort ein Doppelkinn! Kritisch legt Franka den Kopf schräg. Vielleicht wäre diese neue glutenfreie Diät über die sie gelesen hat ja gar keine schlechte Idee. Sie hebt den Arm: schwabbelt das??? Wenn man es mit den Fingern anstubst auf jeden Fall! Langsam dreht Franka sich zur Seite- oder besser doch nicht… Moment mal! Ist da unten etwa Cellulite? Zum Glück kennt sie zumindest das Gegenmittel dafür: Sprudelwasserverzicht. Obwohl, ihre Mutter meinte doch neulich Milchprodukte wegzulassen wäre viel effektiver. Vielleicht würden Frankas Problemzonen sich dann wenigstens ein bisschen verkleinern. “Was machst du denn da so lange?”- das war Britta, Frankas beste Freundin. “Ich komme ja schon!”, ruft Franka zurück und verlässt schnell das Bad; schließlich wollten sie ja zusammen shoppen gehen.

Später an diesem Tag kennt Franka mindestens 3 total angesagte Abnehmmethoden mehr und hat außerdem die neuste Ausgabe der “fit-for-fun” in der Tasche. “Machs gut und stark bleiben: kein Süßes bis Ende März; das hast du dir doch vorgenommen!”, wünschte Britta ihr zum Abschied. Bis Ende März. Jetzt sitzt Franka in der Straßenbahn und starrt gedankenverloren auf die an ihr vorbeisausenden Menschen. Bis Ende März- und dann geh ich im Sommer bestimmt auch mal im Bikini raus. Bis dahin, dann hab ich vielleicht auch wieder einen Freund, dann bin ich vielleicht zufrieden mit mir selbst, dann steh ich vielleicht vorm Spiegel ohne mir Vorwürfe zu machen, dann, dann, dann.

Eine junge Frau mit coffee-to-go steigt in die S-Bahn. Genau, dann sehe ich vielleicht so aus wie sie, glaubt Franka. Aufmerksam mustert sie die Fremde. Sie hat blondes Haar, perfektes Make-Up, ist super stylish, und ihre Frisur würde Franka in 100 Jahren nicht so hinbekommen- ein Traum. Aber irgendetwas ist seltsam an ihr. Die Blondine sieht sie irritiert an. Sie sieht nicht glücklich aus; tiefe Sorgenfalten hat die Andere im Gesicht, traurige Augen und in diesem Moment drängelt sie sich mit ein paar unfreundlichen Worten aus Frankas Blickfeld. Eine Weile bleibt diese noch sitzen, ihre Station hat Franka sowieso schon verpasst.

Mittlerweile ist es draußen dunkel geworden. Auf dem (etwas längeren) Rückweg kommt Franka an einem warm beleuchteten Restaurant vorbei. Einen Moment zögert sie, folgt dem köstlichen Geruch dann aber doch. “Was darf es denn sein?”, fragt sie der Kellner. “Einen Salat bitte”, will Franka antworten. Bis März- denkt sie. Und dann? An die Frau in der S-Bahn denkt sie. “Pfannekuchen”, bestellt Franka demonstrativ, “das ist nämlich mein Lieblingsessen.”  Erst da fällt ihr auf, wie lange sie schon keine Pfannekuchen und was für einen Hunger sie hatte. In der Fensterscheibe sieht sie ihre Reflektion und sagt sich: “Ein schönes Lächeln hast du!”.

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Essen ist für mich ein ganz wichtiger Teil von Selbstfürsorge und um ein gutes Verhältnis mit uns und unserem Körper zu haben müssen wir intuitiv essen. Wir alle sind als intuitive Esser geboren. Wir horchen in uns hinein, ob wir hungrig, durstig oder voll sind. Genuss & Befriedigung (ebenso wie Ekel) beim essen sind natürliche und wichtige Instinkte, die unsere Art zu essen leiten sollten. Auch unser Verlangen nach bestimmtem Essen (Appetit) hat einen Sinn, mit dem unser Körper uns etwas sagt.

Jeder Essens-“Experte” wird dir eine andere Diät empfehlen. Doch bei Diäten, bei denen es darum geht Gluten, Milchprodukte oder Süßigkeiten (aus Abnehmgründen!) wegzulassen, hört man nicht darauf, was sich für einen selbst gut anhört. Ich denke, der beste Rat, den man befolgen kann, ist: Höre auf dich selbst und hör auf dir von anderen erzählen zu lassen, was du essen sollst und, wie du dich fühlen solltest, nachdem du bestimmte Dinge isst. Natürlich ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig, aber wer weiß besser als dein Körper, was du wann brauchst?

Kein Gewichtverlust der Welt wird dich jemals glücklich machen, wenn du es nicht jetzt schon mit dir bist. Die wichtigste Beziehung deines Lebens ist die mit dir selbst -so wie du bist.

Wenn du dich selbst akzeptierst, dann bist du frei von der Last, dass andere dich akzeptieren müssen.

Poetry Slammer Rudy Francisco sagte doch mal: “Wir sollten uns selbst so sehr lieben, dass wenn andere uns sehen, sie genau wissen, wie es gemacht werden muss.” Das glaube ich auch, denn wir alle sind es wert geliebt zu werden! Tu dir heute etwas Gutes! Ich wünsche dir einen schönen Tag 😉

loove

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