Es ist selten, dass es ein Thema gibt bei dem sich fast alle Menschen einig sind. “Die Jugend von heute” aber ist eins dieser seltenen Themen. Schon seit Tausenden von Jahren wird sich über die neu heranwachsende Generation beschwert und da kann man viele Zitate anbringen, z.B.:

“Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen” (384-322 v. Chr., Aristoteles)

“Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte” ( ca. 3000 v. Chr., Tontafel der Sumerer).

Kurt Tucholski erklärt dieses Phänomen sehr weise, indem er schreibt:

“Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.“ ( Der Mensch, Lerne Lachen ohne zu Weinen, 1931)

Aber abgesehen davon hier ein paar Worte über die drei Generationen der heutigen Zeit, von den Millennium Kids bis zu Omis und Opis.

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  1. Kinder & Jugendliche

Freizeit.  Insbesondere handelt es sich hier um die erste Generation, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist. Für die Generation Y ist eine Trennung zwischen online und offline längst nicht mehr sinnvoll. Das Internet und vor allem Soziale Netzwerke sind wichtig für ihre Persönlichkeitsentwicklung (laut Soziologe Klaus Hurrelmann und dem Journalisten Erik Albrecht). Neue Medien sind der Bereich, in dem sie gesellschaftlich überlegen sind und ihre eigenen Akzente setzen. Nachrichten auf dem Handy sind der bevorzugte Weg, um jemanden zu erreichen.

Politik. Obwohl junge Leute nicht mehr so viel demonstrieren gehen, ist die Generation Y nicht unpolitisch. Mir kommt es aber oft so vor, als definierten sie Politik etwas anders als bisher gewohnt. Viele früher als „politisch“ definierte Themen sind für die “Ypsiloner” heute eher eine Frage von Konsum, Ethik oder Lifestyle.  Dadurch, dass sie ihr Verhalten ihren politischen Ansichten anpassen verändern sie ganz automatisch unsere Gesellschaft.

Bildung. Die Generation Y gilt als gut ausgebildet, denn junge Leute investieren so viel in ihre Bildung wie nie zuvor. Wir machen massenhaft das Abitur und strömen in die Universitäten und Hochschulen, fast 60 Prozent schaffen den akademischen Abschluss auch.

Berufliches.  Einmal im Beruf angekommen, wollen die jungen Erwachsenen dafür so viel Erfüllung, Freude und Anerkennung eintauschen wie irgend möglich. Die Sinnsuche rückt ins Zentrum der Berufswahl. (Ein Trend, den man auch auf YouTube beobachten kann) Sie, die neue Generation, möchte während der Arbeit glücklich sein – durch einen Job, der ihr einen Sinn bietet. Sie verkörpert einen Wertewandel, der auf gesellschaftlicher Ebene bereits stattfindet, den die jungen Beschäftigten nun aber auch in die Berufswelt tragen. (Quelle: Jugendforscher Klaus Hurrelmann)

Familie:  Die Generation Y fordert neue Familienmodelle konsequent ein. Bei der Familienplanung und Gestaltung setzt sie auf Vaterzeit, gleichgeschlechtliche Ehe und bricht alle bisherigen Tabus. (Aus dem Buch „Die  heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert“.)

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  1. Die Eltern

Irgendwie war es doch schon immer so, dass die Angehörigen der mittleren Generation – die, die die Kinder haben, arbeiten, Steuern zahlen und alte Uromas unterstützen – besonders gefordert sind. Aber noch nie war eine Generation subjektiv und objektiv von ihrem Alltag so gefordert, wie diejenigen, die heute zwischen 30 und 50 Jahre alt sind. Einige geben dieser Generation sogar einen Namen. Es ist die Generation “Zuviel”. Zu viel Information. Zu viele Verpflichtungen und Anforderungen gleichzeitig. Dann sagt Papa, davon kriege er graue Haare oder eine Krise.

Hier geht es darum, was an den Schwierigkeiten und Belastungen der aktiven, intensiven Lebensmitte heute grundsätzlich neu ist.

Erstens: Das maximale Einkommen erreicht man heutzutage erst circa kurz vor der Volljährigkeit des letzten Kindes. Im Vergleich dazu: Wer in den 70er-Jahren in den Beruf startete, hatte fast sofort das „durchschnittlichen Einkommen im Lebenslauf“.

Zweitens:  Der Nachwuchs soll in der jetzigen Wissensgesellschaft ein konkurrenzfähiges Bildungsziel erreichen. Heute geht es eben nicht mehr mit 14 Jahren in die Lehre; das Abitur ist ein Muss. Den Eltern ist klar, dass sie mehr Zeit und Geld dafür einsetzen müssen als frühere Generationen.

Drittens: Der heute akzeptierte Erziehungsstil ist „kinderzentriert“, anspruchsvoll, partnerschaftlich, antiautoritär: Das erfordert zeitaufwendige Verhandlungsprozesse mit den Kindern. Kinder sollen sich ungehemmt entfalten können, das gilt als Ideal. Ihre Mütter und Väter wollen es anders machen als die Elterngenerationen vor ihnen. Sie sind verständnisvoll, demokratisch. Kinder werden immer selbstbewusster und starke Persönlichkeiten.

Viertens: Verhandeln müssen auch Männer und Frauen. Über die Aufteilung von Berufsarbeit, Erziehung und Hausarbeit, wobei Männer ihren Anteil an den beiden letzten Punkten deutlich höher bewerten als Frauen. (Laut Sexualwissenschaftler Gunther Schmidt)

Nun sind die meisten dieser Veränderungen in Erziehung, Bildung und Partnerschaft durchaus toll, aber viele Kinder empfinden ihre von der Arbeit geschafften Eltern häufig als launisch; schwankend zwischen zu streng und zu nachgiebig. Schwierig ist das alles und kann man es überhaupt richtig machen? Chapeau an dieser Stelle erst mal an alle Eltern 😉 ! Die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde Familie ist meiner Meinung nach aber, dass Eltern auf sich selbst achten. Nur dann haben sie auch die Kraft  in der heutigen Zeit für eine besonnene Erziehung und können diesen ganzen Quatsch mit ihren Kindern gemeinsam durchziehen!

  1. Die Großeltern

Omas tragen Dutt und Kittelschürze, haben einen Gemüsegarten und kochen Buttergerichte. Außerdem sitzen sie im Sessel und häkeln Winterschals am Kamin. So war es früher und so stelle ich es mir mal vor wenn ich alt bin, aber in der Realität sehen die Großeltern von heute ganz anders aus.

Heute wird eher Jeans getragen statt Kittel und lieber mit Opa ins Städtchen gegangen oder radgefahren, als im Sessel zu sitzen. Waren die Beziehungen zwischen Großeltern und jüngeren Generationen damals eher formal und autoritär,  sind sie heute wärmer und nachsichtiger. Natürlich werden Omas und Opas  von ihren Enkeln dafür nicht weniger liebgehabt! Im Gegenteil: vielleicht werden sie das, der Gedanke sei erlaubt, sogar noch ein wenig mehr. Denn Großeltern bieten Kindern etwas, was bei ihren Eltern meist Mangelware ist: Zeit und Gelassenheit.

Das jedenfalls legt ein neues Diskussionspapier der Konrad-Adenauer-Stiftung nahe. Die These vom Schweizer Generationenforscher François Höpflinger:

Moderne Familien zeichnen sich dadurch aus, dass jeder seine Freiräume auslebt – die Beziehung aber trotzdem nicht darunter leidet.

Soll heißen: Auch wenn die Menschen nicht mehr als Großfamilien zusammen im selben Haus leben, das Klagen über eine wachsende Distanz zwischen den Generationen ist unberechtigt. Neue Studien zeigen: Großeltern sind wertvoller denn je. Höpflinger stellt weiter fest, dass gerade Omas und Opas, die als neutrale und dennoch vertraute Bezugsperson agieren (bzw. die offene Einmischung vermeiden), die Wertorientierung ihrer Enkel am nachhaltigsten beeinflussen.

Und was denken die Enkel selbst? Nach ihrer Beziehung zu den Großeltern befragt (Quelle: n24), wird eine „durchaus lebendige und mehrheitlich positiv eingeschätzte Beziehung“ angegeben. Vor allem aktive, gesunde und an der Jugend interessierte Großeltern bleiben auch für heranwachsende Enkelkinder wichtig. Dies kann ich als Enkeltochter nur bestätigen (ich habe euch sehr lieb!).


Wie auch immer sich Generationen verändert haben mögen, eine Sache ist klar: Familie ist einfach wichtig, das merke ich gerade jetzt, wo ich im Ausland bin. Ihr seid immer für mich da und ich bin euch unendlich dankbar dafür!

PhotoGrid_1484479510467.png-meine Familie

And I can’t keep it to myself
Can’t spell it any better
L.O.V.E forever
I hope you know that I’m sending a postcard
I don’t care who sees what I sent
Or if the whole world knows what’s in my head

-James Blunt, Postcards

https://www.youtube.com/watch?v=3auHuULOPWo&t=22s

 

 

 

 

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