Wir alle kenne die grausame und blutige Vergangenheit des Glaubens. Seit Tausenden von Jahren wiederholt sich das gleiche Spiel von Chaos und Krieg im “Namen eines Gottes”. Ob es um Missionierung oder Vernichtung, Vertreibung und gewaltsame Unterdrückung Andersgläubiger geht; An Seite von menschenverachtenden Regierungen (mit Ausnahme kommunistischer Systeme) stand in der Menschheitsgeschichte immer eine Kirche. Ob Hexenverbrennung oder Kreuzzüge, mit dem Prinzip von Schuld, Entmachtung und Verurteilung wurden alle Taten gerechtfertigt. Dabei geht es um Macht und Politik. Organisierte Religion hat uns in der Vergangenheit offensichtlich viel Schlechtes gebracht. Aber wie sieht es heute aus?

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Deutschland ist skeptisch, interessant hierbei: Die Länder, in denen die politisierte Religion die meiste Verwüstung anrichtet, haben teilweise die höchste Meinung von ihr.

Die Kirchen in Deutschland verlieren seit Jahren Mitglieder und ich würde behaupten der Grund dafür ist die heutige aufgeklärte Gesellschaft. Wir leben nicht mehr in einem kleinen Dorf und sitzen abends am Feuer in den Stuben mit unserer Großfamilie. Nein, wir leben in einer Zeit mit massig Unterhaltung, YouTube und Fernsehen. Da kann die Form der (meisten) Gottesdienste einfach nicht mehr mithalten. Auch Formen von Gemeinschaft und nicht-religiöser Bräuche gibt es zu Hauf! Schulische Angebote, dutzende Vereine in jeder kleineren Stadt, Olympia und song contests, Computerspiele, Fandoms und soziale Netzwerke verbinden Menschen.

Trotzdem senden wir ein Stoßgebet gen Himmel: “Lass den VFL ein Tor schießen!” oder “Nur die eine 2 in Mathe!”. Neben der emotionalen und der rationalen Seite kann man nämlich nicht leugnen, dass jeder auch eine spirituelle Seite hat. Schon seit dem Anbeginn der Zeit haben Menschen sich nach dem “warum”, dem Sinn gefragt.

Doch während einige meinen die Antwort darauf im Glauben gefunden zu haben, kritisieren andere, dass man nur dann einfache und klare Antworten in der Religion findet, wenn man sich selbst keine Gedanken machen möchte.  Darüber hinaus bedeutet Religion für viele nicht zu handeln, sondern zu beten, zu beichten, anstatt sich moralisch richtig zu verhalten und Menschen unter Druck zu setzen und zu kontrollieren durch “Himmel und Hölle”, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Pädophilie.

Schon Karl Marx sagte: “Religion ist das Opium des Volkes.”

Auf der anderen Seite sagen Religiöse:

Es ist schön zu wissen, dass es immer jemanden gibt, der für dich da ist. Jemanden an den du dich in Notlagen wenden kannst, etwas was dir einfach Kraft gibt, wenn du sie brauchst. In den Nachrichten sieht man Menschen auf der ganzen Welt nach Katastrophen immer eines tun: beten! Gott ist Hoffnung und er ist Liebe, Vergebung, Vertrauen und Zuversicht.  All solche Werte werden Leuten durch Religion vermittelt. Es geht um Ethik und Richtlinien, doch mehr als das geht es darum, Gottvertrauen und Nächstenliebe von Generation zu Generation weiterzugeben.

Zitate wie “Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.”  (Matthäus 5,39) sind dafür berühmt.

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Für welche der beiden Seiten auch immer du dich entschieden haben magst; ich finde, sowas muss jeder mit sich selbst in Einklang bringen, wichtig ist nur, dass es Privatsache ist.

Zeit Online: “Eine Frage der Freiheit: Was im inneren Menschen vorgeht (…) muss letztlich frei sein von dem, was in der Außenwelt der Gesellschaft den Menschen auf Trab hält. (…) Insofern ist nichts so privat wie Religion und wer auf sie zugreifen will begeht eine Art seelischen Hausfriedensbruch.”

Dem stimme ich zu. Ich denke, dass eine politische, juristische, und finanzielle Trennung von Religion und Staat überall das Beste wäre. Staat und Schulen sollten religiös neutral sein. Denn ob du an das fliegende Spaghettimonster glaubst oder einen Laib Brot anbetest, es ist deine Privatsache und die muss es auch bleiben, um Menschen vor Menschen wirksam zu schützen. In allen Religionen geht es um persönliche Entscheidungen. Hier darf niemand reinreden, da hat auch der Staat nichts verloren! Es ist ganz allein meine Sache, ob ich glaube und was ich daraus mache.

Das einzige, was du bitte nicht daraus machen solltest ist religiöser Fundamentalismus, Symbole und Metaphern nicht verstehen, sondern wörtlich nehmen. Fundamentalisten missbrauchen den Grundgedanken einer Religion, der es ist Menschen zu verbinden, und trennen Menschen, indem sie sagen “Wir haben recht! Ihr liegt falsch!”. Sie bringen uns zurück in die Vergangenheit der Kirche, obwohl (zumindest christlicher) Glaube noch nie so frei war wie heute.

Ja, Konflikte aufgrund religiöser Unterschiede können doch erst dann passieren, wenn die Identifikation mit der eigenen Konfession so stark ist, dass man allen, die andersgläubig sind, sofort feindlich gesinnt ist. Was ich damit meine ist, dass es stark davon abhängt, wie du dich als Angehöriger einer bestimmten Gemeinschaft Leuten gegenüber, die nicht dieser Gemeinschaft angehören, verhältst, wie sehr du dich mit ihr identifizierst. Es liegt in der Natur des Menschen sich mit etwas zu identifizieren, was man allein schon am Verhalten von Fußballfans und Anhängern politischer Ideologien sehen kann. Die Ursache von Religionskriegen und Selbstmordattentaten liegt daher nicht in Unterschieden zwischen verschiedenen Religionen, sondern beruhen auf einer übertrieben starken Identifikation mit der eigenen Religion.

Theologe und ehemaliges Mitglied des nationalen Ethikrates Wolfgang Huber meint dazu: “Ich bin fest davon überzeugt, dass die Trennlinie, die wir heute haben nicht zwischen Religiosität und Vernunft, sondern zwischen Fundamentalismus und Toleranz, zwischen Unbarmherzigkeit und Barmherzigkeit ist.”

Denn wir leben auf einem Blauen Planeten
Der sich um einen Feuerball dreht
Mit ‘nem Mond der die Meere bewegt
Und du glaubst nicht an Wunder
Und du glaubst nicht an Wunder
Und ein Schmetterling schlägt seine Flügel
Die ganze Erdkugel bebt
Wir haben überlebt
Und du glaubst nicht an Wunder

Marteria, Welt der Wunder

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