Bei Diskussionen über Pegida, Flüchtlingspolitik und Rechtspopulisten hört man häufig Beschwerden über das sogenannte „Gutmenschentum“. Als dieses Wort das letzte Mal gefallen ist habe ich mich gefragt: Was ist das eigentlich ein Gutmensch?

Nach Ansicht des freien Autors (u.a. für die Süddeutsche Zeitung) Christian Nürnberger ist Gutmenschentum „die links-liberal-feministisch-schwul-lesbische Schickeria, die Grünen, die Multikulturalisten, die wir-sind-alle-lieb Kirchentagsbesucher (…), die, die vor dem Islam in die Knie gehen, vor den Terroristen kapitulieren und die nächste Hölle vorbereiten. “ Das hört sich tatsächlich nach etwas an worüber man sich beschweren sollte, nicht wahr?

Geht ja auch gar nicht, dass Leute nach so unchristlichen Werten wie Nächstenliebe & Hilfsbereitschaft handeln! Diese unerhörte „links-liberal-feministisch-schwul-lesbische Schickeria“ hält sich sogar an so ein Grundgesetz habe ich gehört! Was war das gleich nochmal?

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar
  • Politisch Verfolgte genießen Asylrecht
  • Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich
  • Männer und Frauen sind gleichberechtigt
  • Die Freiheit des Glaubens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich
  • Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft (…) benachteiligt oder bevorzugt werden

Und dann noch irgendein blablabla von Frieden und Gerechtigkeit… Nun gut, dann ist das Grundgesetz also Werk der wütenden, behaarten Frauen mit 1000 Geschlechtsidentitäten. Sie sind viel zu politisch korrekt und haben einen unrealistisch hohen moralischen Anspruch! Zum Glück gibt es auch noch richtige Deutsche, die realistisch sind und sachlich argumentieren, stimmt‘s? Die sind nämlich nicht ausländerfeindlich und rassistisch, neein, die machen nur Gebrauch von ihrer Meinungsfreiheit. Und sobald sie mal ein klitzekleines bisschen „Ausländer raus!“ und „Du Schwuchtel!“ brüllen kommt sofort die Tabuisierungs- & Moralkeule. Ts, ts, ts. Man kann doch homophobe Chauvinisten nicht zu Humanität und sozialer Gerechtigkeit missionieren, wo denkt ihr hin?

Beiseite mit der Ironie: Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist „Gutmensch“ zu einem Schimpfwort zu machen war sicher kein guter Mensch. Niemand, der zurechnungsfähig ist sollte es heute noch benutzen.

Matthias Heine (welt n24)  „Gutmensch sagen eigentlich nur noch Nazis und Idioten ohne Feingefühl. (…) Mit anderen Worten: es ist völlig egal, ob die Nazis von früher das Wort erfunden haben. Entscheidend ist, dass die Nazis von heute sich das Wort angeeignet haben.“

Über mich kann ich also sagen: anscheinend bin ich ein Gutmensch, denn ich respektiere (wie ihr vielleicht auch aus vorherigen Blogbeiträgen entnehmen könnt) Ausländer, Dicke, Dünne, alle Sexualitäten, Frauen, wie Männer, Muslime, anders Gläubige… Menschen. Und ich finde das solltest du auch.

Frohe Weihnachten!

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too
Imagine all the people
Living life in peace

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

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